Karolin Buckl

mit Hand und Liebe selbstgemacht

Der Künstler Cy Twombly

Cy Twombly (mit vollem Namen Edwin Parker Twombly Junior) wurde 1928 in Lexington, USA, geboren. Den Spitznamen „Cy“ übernahm er vom Vater, einem Baseballspieler und Leichtathletik-Trainer. Der verstorbene Künstler Cy Twombly war US-amerikanischer Maler, Zeichner, Bildhauer, Fotograf und Objektkünstler. Er galt neben Künstlern wie Jackson Pollock, Mark Rothko und Willem de Kooning als einer der einflussreichsten Expressionisten der US-amerikanischen Gegenwartskunst. Man kann ihn als abstrakten Expressionisten bezeichnen, der den „Dripping“ – Künstler Jackson Pollock als Inspiration hatte.

Bekannt wurde Cy Twombly vor allem durch seine an Kritzeleien erinnernden Bilder. So kann durchaus eine Assoziation zur späteren Bildsprache des Graffitis gezogen werden. Der für seine Zurückhaltung bekannte Maler hatte bis ins hohe Alter gewirkt.

Seine Bilder vereinen die Züge der abstrakten Malerei mit schriftzugartigen Zeichnungen. Er malte zunächst mit großflächigen, breiten Pinselstrichen, aber schon in der Mitte der Fünfziger Jahre kamen grafische Elemente mit Kreiden und Farbstiften hinzu. Twombly erlangte am Ende seiner Karriere durch seine sparsam kolorierte Malerei, die eine Synthese aus abstraktem Expressionismus, Automatismus, Kalligrafie und Graffiti zu sein scheint, Weltruhm.

Zurückhaltung war sein Markenzeichen. Sparsam, aber präzise setzte Cy Twombly seine künstlerischen Mittel ein. Während er in Amerika noch lange unbeachtet bleiben wird, sind bereits seine ersten Ausstellungen in Europa große Erfolge. Seine meist großformatigen Werke sind in allen wichtigen Museen der Welt zu sehen. Er wurde von vielen als „Künstler der Stille“ bezeichnet. Es ist ein virtuoses Spiel mit Farben und Andeutungen, gewaltig und zugleich zart, Gemälde voller Geheimnisse und Mythen – das ist die Kunst von Cy Twombly.

Er selbst ist scheu, ein Phantom. 2008, mit 80 Jahren hat Twombly, der zu den berühmtesten Malern des 20. Jahrhunderts zählte, eine neue Serie mit Fotografien veröffentlicht: intime Einblicke in seine Welt. Twombly hat noch nie ein Fernsehinterview gegeben. Es existieren keine Filmaufnahmen von ihm. Eine Kunstsammlerin und Freundin von Twombly, Graziella Lonardi Buontempo, sagt folgendes über ihn:
„Er ist ein geheimnisvoller Mensch, wie eine Statue, immer still, mit warmen, sensiblen Augen. Er drückt sich immer mit seinem Blick aus, nie mit Worten. Er spricht wenig, ist ein Mensch, der in seiner Stille bleiben will, in seiner Welt.“

Die Welt, die uns Twombly zeigt, ist eine Welt ohne Menschen. Anfang der 1970er Jahre malte und zeichnete er Bilder mit Wachskreide und Wandfarbe auf Leinwand. Es sind Bewegungsstudien auf den Spuren Leonardos. Spiralnebel kommen aus der Tiefe des Raumes und verschwinden wieder. Sein neuer Wohnsitz in Rom inspiriert Twombly: Gekritzel und Strukturen, Dreck und Schönheit-Antike.

„Wir wissen“, sagt sein Kurator Heiner Bastian, „dass er bestimmte klassische Werkzeuge, die ein Maler benutzt, wie Pinsel, höchst selten in die Hand nimmt, sondern dass er die Farbe mit der Hand direkt auf die Leinwand aufträgt, dass das Vorgänge sind, die dann sehr schnell und mit beiden Händen passieren.“

Der Künstler ist 2011 verstorben und verbrachte den Großteil des Tages mit lesen, malte eher selten, und wenn, dann eruptiv. Es gibt viele Arten Lärm, aber nur eine Stille. Wie viele Nuancen aber Cy Twombly der Stille abgewinnt, das berührt zutiefst.

Das Kunstwerk: Rosenzyklus

Sein Rosenzyklus ist im Museum Brandhorst in München zu sehen und kann sehr gut mit Schulklassen besucht werden, da diese auch freien Eintritt haben. Die Gemälde im oberen Saal des Museums zeigen unter anderem Twombly´s „Rosenzyklus“.

Er malte seine im Jahre 2008 erschaffenen Rosenbilder mit Acryl und Kreide auf Holz. Die sechs „Rosenbilder“ zeigen jeweils vier dynamische, farbige Rosen in voller Blüte und entstanden in seinem italienischen Atelier. Dabei verarbeitete der Künstler auch Gedichte von Rainer Maria Rilke, Ingeborg Bachmann und anderen Autoren. Jede letzte der vier Holzplatten ist mit Strophen aus dem Gedicht „Die Rosen“ von Rainer Maria Rilke beschrieben. Die Gedichte inspirierten diese Serie von Arbeiten und erzählen von der charakteristischen Paarung von Malerei und Dichtkunst.

Gebannt auf teils orange-ockerfarbenem teils türkisem Grund füllen die blau-, rot- und erdfarbenen Rosen die große helle Halle. Die Farben der Rosen gehen dabei von tiefem Burgunder zu leuchtendem Orange, Blau, Violett, Karminrot und Gold. Dabei scheint es als würde Twombly der Farbe erlauben vom Gemälde herunter zu laufen und zu tropfen. Durch die mehrmals aufgetragenen Farbschichten in unterschiedlicher Transparenz und den Einfluss der Schwerkraft auf die Farbe erhält das Bild seine Dynamik. Der laszive lebendige Strich von Cy Twombly´s Rosenblüten versetzt den strengen grafischen Ausstellungsraum in heitere Gelassenheit.

Nicht Rosenkitsch dümpelt durch den Kunstsalon, sondern zarte Aufbruchsstimmung. Die leicht abstrakten, sich auflösenden Rosenblütenränder vermitteln die Auflösung von bekannten Strukturen.