Karolin Buckl

mit Hand und Liebe selbstgemacht

Der Fotograf Carl Warner

„Mit Essen spielt man nicht!“

Wie oft hat man diesen Spruch als Kind gehört. Doch der Reiz ist jedes Mal vorhanden.
Was für eine Freude, dass es nun einen Mann gibt, der diese strenge Regel bricht und für uns mithilfe faszinierender Fotografien ein Abbild seiner Fantasie schafft. Der britische Fotograf Carl Warner kreiert aus den verschiedensten realen Lebensmitteln dreidimensionale Welten und hält sie geschickt mit seiner Kamera im Studio aus einem geeigneten Blickwinkel fest.

Die Hälfte seiner Arbeiten realisiert Warner aus Leidenschaft, alles andere sind Auftragsarbeiten aus dem Bereich Werbung und Film. Inspirieren lässt sich Warner von seiner Fantasie, welche er auf den verschiedensten Wochenmärkten von London fließen lässt. Doch seine Landschaften sind nicht immer von der physikalischen Welt inspiriert, welche er gesehen oder besucht hat, sondern einige sind angelehnt an Gemälden, Filmen oder sogar Träumen aus der Vergangenheit. Diese Bilder hält er zuerst auf einer Skizze fest. Die Planung kann Warner und seine Mitarbeiter mehrere Wochen kosten, doch der anstrengende Akt, die Lebensmittel zu bearbeiten und in ihre Position zu bringen, ist in zwei Tagen geschafft.

Vollendet wird sein Werk mithilfe von Bildbearbeitungsprogrammen auf dem Computer. So kann er die einzelnen Arbeitsschritte im frischen Zustand nacheinander fotografieren und auf dem Bildschirm zu einem Bild zusammenfügen. Seine Stillleben aus Lebensmitteln werden nach dem Drapieren nicht etwa weggeworfen, sondern bei einem Familien-Event verzehrt. Ein Anreiz für Lebensmittelkunst haben ihm seine vier Kinder gegeben, welche in Punkto Essen nach Meinung der Eltern zu wählerisch waren. Doch mithilfe seiner Gemüseinszenierungen hat er in seinen Kindern und deren Freunden wunderbare Kostverwerter gefunden.

→ Hier findet ihr ein Youtube-Video über ihn und seine beeindruckenden essbaren Landschaften.

Das Kunstwerk: Broccoli Forest von Carl Warner

Laut eigener Aussage wurde Warner von dem Kinofilm Der Zauberer von Oz angeregt, welchen er in seiner Kindheit gesehen hatte. Die damalige Überraschung vom Schwarzweißfernsehen aus den eigenen vier Wänden und dem aufkommenden Farbkino blieb ihm bis heute in bleibender Erinnerung.
Der Gewürzweg aus Warners‘ Bild ist natürlich der gelbe Ziegelpfad aus genanntem Film. Eine weitere Inspirationsquelle der Fotografie war eine Arbeit des amerikanischen Fotografen Ansel Adams und im speziellen das magische Licht und die Landschaft, welche er im Yosemite Valley festhielt.

Die Rezeptur des Bildes wird erst bei genauerem Hinsehen deutlich:
Die Bäume bestehen aus Brokkoli, die Wiese aus gehackter Petersilie und Brokkoliköpfen, die Hecken aus frischen Kräutern. Kartoffeln und Artischocken bilden kleine Steine und Felsen in der mittleren Bildebene, welche von einem gelben Weg aus einer Mischung aus Kumin, Kurkuma und Fenchelsamen durchschlängelt wird. Die hintere Bildebene bilden die Felsen aus großen Bauernbroten, aus denen ein Wasserfall aus Zucker entspringt. Die Wolken wurden aus Blumenkohl geformt.